Cocreatings
Klaus Schein, 25.11.2025
Cocreatings sind die kleinste wiederholbare Einheit der gemeinsamen Wertschöpfung innerhalb von CVC. In der VIA-Logik bilden sie den Zyklus Value – Ideation – Action – Evidence – Proof of Value auf komprimierte Weise ab.
Cocreatings werden zu Werttreibern, wenn sie sechs Prinzipien folgen:
1. Wertfrage statt Agenda.
Jedes Cocreating startet mit einer klar formulierten Wertfrage. Im Automotive-Kontext kann dies beispielsweise die Reduktion der Time to Proof für ein OTA-Feature, die Verbesserung eines Feldqualitätsindikators oder die Senkung der TCO für eine Flottenanwendung sein. Diese Wertfrage verknüpft Kundennutzen, technische Machbarkeit und betriebswirtschaftliche Wirkung.
2. Perspektivenvielfalt als Designprinzip.
Im Raum sind interne und externe Perspektiven sowie Exploit und Explore vertreten. Vertreten sind Entwicklung, Operations, Vertrieb, Service, Key Account und idealerweise ein Vertreter des Lieferanten oder Kunden. Forschungen zu Gruppenentscheidungen zeigen, dass Vielfalt zu besseren Lösungen führt, wenn sie strukturiert eingebunden wird. Cocreatings erzwingen diese Vielfalt und vermeiden homogene Runden, in denen nur eine Funktionslogik dominiert.
3. Kommunikation auf Augenhöhe.
Hierarchie, Titel und Bereichsgrenzen treten dabei in den Hintergrund. Entscheidend ist nicht, wer spricht, sondern welches Argument Evidenz und Relevanz besitzt. Einwände werden ebenso sorgfältig behandelt wie Vorschläge. Dadurch werden die Erfahrung aus der Produktion, die Sicht des Kunden, die Perspektive eines Softwarepartners und die Risikoabwägung von Einkauf oder Finanzen gleichwertig in den Prozess integriert.
4. Facilitation statt Sitzungsleitung.
Ein neutraler Facilitator ist für Prozess und Struktur verantwortlich: Er achtet auf Zeit, Ziel und Beteiligung, fasst Zwischenstände zusammen und markiert Klärungsbedarfe. Die Inhalte kommen von den Fachleuten. Untersuchungen zu moderierten Entscheidungsworkshops zeigen, dass diese Trennung von Inhalt und Prozess die Beteiligung erhöht und die Entscheidungsqualität verbessert.
5. VOTE als Entscheidungslogik.
Entscheidungen folgen einem transparenten Schema, das in CVC doppelt verankert ist. Auf operativer Ebene eines Cocreatings bedeutet VOTE: Verstehen des Kontextes und der Kundensicht, Formulieren von Optionen, Definieren von Tests, Entscheiden mit klaren Verantwortlichkeiten und Takt. Auf strategischer Ebene greift das VOTE-Modell für Co-Value-Partnerschaften. Es beschreibt Validation, Ownership, Trust und Equity als vier Bedingungen, die für tragfähige gemeinsame Entscheidungen erfüllt sein müssen. Beide Ebenen stellen sicher, dass jede Entscheidung einen „To-Prove“-Punkt enthält und damit direkt in die Praxis überführt werden kann.
6. Architektur von Vorbereitung bis Anschluss.
Cocreatings sind in eine klare Architektur eingebettet: sorgfältige Vorbereitung mit Ziel, Fragen und Daten, definierte Rollen und kleine, prüfbare Aufgaben sowie ein Anschluss an ein Cockpit oder eine „Wall of Proof”, die den Status der Use Cases abbildet. Die Ergebnisse verschwinden nicht in Protokollen, sondern werden als Belege im CVC-System sichtbar gemacht und in Standards, Plattformservices oder Vertragslogiken überführt.
Mit diesen sechs Prinzipien werden Cocreatings unersetzbar: Während klassische Meetings informieren, erzeugen Cocreatings messbare Fortschritte auf einem Wertpfad. Wo Meetings Fragen verteilen, definieren Cocreatings belegbare nächste Schritte.
